Veranstaltung "Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende"-Energiegenossenschaften müssen mutiger sein

Energiegenossenschaften müssen mutiger sein

„Energiegenossenschaften müssen mutiger sein!“ Das ist das alte, neue Fazit, dass sich nach dem „Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende“ konstatieren lässt. Auf der jährlich stattfindenden Veranstaltung treffen sich Vertreter von Genossenschaften und Verbänden sowie aus der Politik, um über die Gegenwart und Zukunft der genossenschaftlichen Energiewende zu diskutieren. Die diesjährige Veranstaltung umfasste drei Podiumsdiskussionen mit unterschiedlichen, aber allesamt aktuellen Themenschwerpunkten. Insgesamt 250 Teilnehmer hatten sich dazu am 1. Februar 2018 im Haus der DZ-Bank unweit des Brandenburger Tors in Berlin eingefunden. Für die Energiegewinner vor Ort, Sebastian Korthaus (Marketing & PR).

Wind- und Solarausschreibungen – Wie geht es weiter?

Diese Frage stellte sich das erste Podium unter der Moderation des Leiters der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften des Kongressveranstalters DGRV (Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband) Dr. Andreas Wieg. Mit dabei zudem Hermann Albers (Präsident des Bundesverband WindEnergie e.V.), Oliver Krischer (Mitglied des Bundestags, Bündis 90/Die Grünen), Dr. Maren Petersen (Leiterin des Geschäftsbereichs Erzeugung und Systemintegration bzw. der Stabsstelle Erneuerbare Energien beim BDEW), Dr. Marie-Louise Pörtner (Geschäftsführerin der BayWa r.e. Wind GmbH), sowie Werner Soika (Vorstandsmitglied der BürgerEnergie Issum eG).

Podium und Auditorium waren sich einig, dass Ausschreibungen für die Bürgerenergie hinderlich waren und sein werden. Laut Albers widersprechen sich Bürgerbeteiligung und ein konsequenter Ausschreibungskurs und führen schlussendlich zu keinem fairen Wettbewerb für Energiegenossenschaften. Petersen schlägt deswegen ein Drei-Säulen-Konzept vor, dass die Besonderheiten der verschiedenen Marktakteure berücksichtigt, um allen Bedürfnissen und insbesondere denen der Bürgerenergie Rechnung zu tragen. Die Stimme der Bürgerenergie selbst übernahm schließlich Soika als Vertreter und Vorstand einer Energiegenossenschaft. Er forderte eine klare gesetzliche Definition von Bürgerenergie. Die Diskussion auf dem Podium wurde kontrovers und leidenschaftlich geführt. Einig war man sich letztlich in der Erkenntnis, dass die „Bürgerenergieregel“ im Erneuerbare Energien Gesetz nicht bestehen bleiben könne. MdB Oliver Krischer resümierte: „Wir alle müssen auch weiterhin jeden Tag gemeinsam für Akzeptanz und Erfolg der Energiewende kämpfen.“

Geschäftsmodell Elektromobilität

Das zweite Podium hatte zum Ziel die Frage zu beantworten, inwiefern die Elektromobilität ein Betätigungs- und Geschäftsmodell für Energiegenossenschaften ist und sein kann. Dazu lud der DGRV Frank Haney (Vorstand Inselwerke eG), Prof. Horst-Richard Jekel (Vorstand EMA eG) sowie Guido Schwarzendahl (Vorstand Bauverein Halle & Leuna eG) ein. Moderiert wurde die zweite Runde von Dr. Ingrid Vogler, die beim GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen als Referentin für Energie, Technik und Normung tätig ist. Die Referenten präsentierten die von ihren Genossenschaften praktizierten Geschäftsmodelle im E-Mobility Bereich. Gemeinsam stellte man fest, dass es für Genossenschaften unter den derzeit gegebenen Umständen schwer ist, kurzfristig mit Elektromobilitätsangeboten Geld zu verdienen. Es brauche ganzheitliche und nachhaltige Lösungen, die das E-Auto-Angebot, sowie dessen Verbreitung weiter steigern.

Genossenschaften in Afrika

Das abschließende Podium untersuchte die Frage inwieweit Energiegenossenschaften afrikanische Initiativen unterstützen können, um so zu grüner Bürgerenergie auch in Afrika beizutragen. Hier plädierte insbesondere Barbara Höhn (Energiebeauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für Afrika) dafür, nicht außer Acht zu lassen, welche gravierenden Folgen es haben könnte, wenn afrikanische Staaten künftig auf Kohlestrom setzen. Sie forderte deswegen das Engagement der Energiegenossenschaften in Afrika ein.

Angesichts von 620 Millionen ohne Strom lebenden Afrikanern kann das deutsche Engagement dazu beitragen die Energieversorgung in Afrika bürgernah zu entwickeln. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich wie auch in den Podien zuvor Vertreter aus Politik, Genossenschaften und Verbänden. Mit von der Partie waren Andreas Kappes (Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen beim DGRV), Armin Komenda (Vorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG), Dr. Tania Rödiger-Vorwerk (Unterabteilungsleiterin Umwelt und Infrastruktur im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sowie Dr. Carsten Hellpap (Leiter Energising Development der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH).

Weiter mutig sein und „machen“

Für unsere Genossenschaft lässt sich mitnehmen, dass die Bürgerenergie nach wie vor, vor viele Hürden gestellt wird. Jedoch merkt man im Kreise der anderen Genossenschaften, dass gerade dies dazu führt, weiterhin innovative und nachhaltige Lösungen für die Zukunft zu finden. Wir dürfen nicht auf die Politik warten, sondern müssen schon heute die Dinge umkrempeln. Der Tenor des Kongresses ist somit gleichzeitig ein Appell an alle Mitglieder der Energiegenossenschaften: Wir müssen weiter mutig sein!

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