Zu Gast beim Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende

Am 19. Februar luden der DGRV und GdW erneut zum Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende ein. Unter den 300 Teilnehmern waren auch die Energiegewinner vertreten. Unsere Berliner Regionalmanagerin Anne Große Rüschkamp und der Exil-Berliner Philip Hlawaty nahmen an dem Kongress im Herzen der Hauptstadt teil. Neben dem abwechslungsreichen Programm des Kongresses besteht vor allem die Möglichkeit zum inhaltlichen Austausch und der Vernetzung. Die Themenvielfalt verdeutlicht einerseits wie viele Lebensbereiche die Energiewende trifft, andererseits wie viel für die Bürgerenergie noch getan werden muss. Folgend erhaltet ihr einen kurzen Eindruck zu den Programmpunkten.

 

Rückenwind aus Brüssel
Der/Die ein oder andere von euch wird mitbekommen haben, dass das im vergangenen Jahr verabschiedete Energiesammelgesetz die dezentrale Energiewende nicht begünstigt. Umso hoffnungsvoller erscheint die EU-Richtlinie zu Erneuerbaren Energien. Dies umfasst insbesondere eine neue Definition von Bürgerenergie-Gemeinschaften. Bürgerenergie-Gemeinschaften sind demnach unabhängige rechtliche Einheiten, die demokratisch strukturiert sind und unter Kontrolle der lokalen Bevölkerung stehen. Zudem sollen sie offen für eine breite Beteiligung vor Ort und eher an dem Nutzen in der Region und weniger an den individuellen finanziellen Vorteilen der Kapitaleigner ausgerichtet sein. Mit diesem Ansatz sollen insgesamt die Bürger und ihre Kommunen in der Energiewende gestärkt werden. Die Mitgliedsstaaten sind nun aufgefordert, Markteintrittsbarrieren und Diskriminierungen für neue und bestehende Bürgerenergieprojekte abzubauen. Auf dem Podium wurde die Richtlinie als Chance für die regenerative Eigenversorgung, Mieterstrommodelle und Bürgerenergiegesellschaften gesehen. Wir begrüßen dieses Vorhaben der EU und hoffen, dass die nationale Ausgestaltung den aktuellen bürokratischen Aufwand auf ein Minimum reduziert.

 

Schwung für die Nahwärme
Neben dem Strom ist der Bereich der Wärme ein tragendes Thema einer gelingenden Energiewende. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels erklärte kurz die aktuelle Wärmestrategie der Bundesregierung. Er bemängelte die Zugkraft derzeitiger gesetzlicher Rahmenbedingungen und wünscht sich Druck aus Reihen der energiegenossenschaftlichen Praxis. Genau aus dieser Praxis präsentierten zwei Experten Projekte ihrer Unternehmen vor. Innerhalb dieser Vorstellung zeigten sich viele Möglichkeiten der Sektorkopplung. Fast analog zu ihrem Vorredner forderten beide Experten eine bessere Unterstützung durch die Bundespolitik.

 

CO2-Bepreisung
Das dritte Podium hatte die Bepreisung von Treibhausgasemissionen als Thema. Sollte eine solche Bepreisung beschlossen werden, ist die Frage zu klären, wen sie in welcher höhe trifft. Eine Befreiung der stromintensiven Unternehmen, wie sie aktuell für die EEG-Umlage gilt, kann nicht das Ziel sein und wäre das falsche Zeichen an die Bevölkerung. Dieses Instrument muss genutzt werden, um gerechte Anreize für innovative und klimafreundliche Lösungen aus allen Lebensbereichen zu generieren. Dies betrifft also auch Freizeit, Wohnen, Arbeit und viele weitere.

 

Quo vadis Energiegenossenschaften?
Ähnlich wie die Energiegewinner eG wurden viele Energiegenossenschaften mit der Motivation gegründet, Bürgern vor Ort eine Teilhabe an der Energiewende zu ermöglichen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Um diesen Beitrag nochmal deutlich zu steigern, wurde das Forschungsprojekt “klimaGEN” ins Leben gerufen. Sie sollen Wege erarbeiten, bestehende Potentiale einer klimaschutzorientierten Strategieentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Vorläufige Ergebnisse dieser Forschungsgruppe sowie aktuelle energiegenossenschaftliche Kennzahlen und Handlungsfelder wurden vorgestellt. Einerseits zeigt sich, dass nur noch wenige Energiegenossenschaften gegründet werden, sich einige der bestehenden aber stetig professionalisieren und wachsen. Die Professionalisierung ist eine Entwicklung, welche wir sehr begrüßen. Aus ihr erhoffen wir uns die Bildung einer stärker aufgestellten Lobby für die Bürgerenergie.

Die Präsentationen der einzelnen Programmpunkte könnt ihr hier finden.

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